Arbeitsschutz in Zeiten von Corona – Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt wissen müssen

Startseite/Aktuelles

Arbeitsschutz in Zeiten von Corona – Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt wissen müssen

20.04.2020

Die Bundesregierung und die Bundesländer haben am 15.04.2020 in einem gemeinsamen Beschluss festgelegt, die bisweilen weitreichenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens zur Verhinderung einer exponentiellen Ausbreitung des Corona-Virus in der Bevölkerung nunmehr ein Stück weit zu lockern.

So dürfen in weiten Teilen Deutschlands ab dem 20.04.2020 – in Bayern etwas zeitversetzt ab dem 27.04.2020 – beispielsweise Ladengeschäfte mit einer Ladenfläche bis zu 800 qm sowie unabhängig von der Ladenfläche Baumärkte, Gärtnereien, Kfz- Händler und Buchhandlungen für den Publikumsverkehr wieder öffnen. Auch soll mitunter der Schulbetrieb in den einzelnen Bundesländern stufenweise wieder aufgenommen. Einen detaillierten Überblick über die Lockerungen sowie deren Zeitplan finden Sie hier.

Um fortan ein erhöhtes Infektionsgeschehen innerhalb von Betriebsstätten zu verhindern und die Gesundheit von Arbeitgebern und Arbeitsnehmern zu schützen, hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales am 16.04.2020 „Corona-Arbeitsschutzstandards“ für Betriebe, bestehend aus technischen, organisatorischen sowie personenbezogenen  Maßnahmen, veröffentlicht.

Im Folgenden geben wir Ihnen einen kurzen zusammenfassenden Überblick darüber, was Arbeitgeber und Arbeitnehmer fortan zu beachten haben:

1. Technische Maßnahmen

  • Arbeitsplätze sind grundsätzlich so zu gestalten, dass ein Mindestabstand von 1,5 m zu anderen Personen (Personal und Kunden) eingehalten werden kann. Dies gilt ebenso für Pausen- und Aufenthaltsräume und Kantinen. Wo dies technisch oder organisatorisch nicht gewährleistet werden kann, sind alternative Maßnahmen (z.B. Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen) in Erwägung zu ziehen.
  • Büroarbeit soll nach Möglichkeit im Homeoffice ausgeführt werden.
  • Zur Reinigung der Hände sind hautschonende Flüssigseife und Handtuchspender zur Verfügung zu stellen. Ausreichende Reinigung und Hygiene ist vorzusehen.
  • Gegenstände, die von verschiedenen Personen angefasst werden, sollen regelmäßig gereinigt und nach Möglichkeit desinfiziert werden (z.B. Türklingen, Handläufe etc.)
  • Zur Vermeidung von Menschenansammlungen und Warteschlagen (z.B. an der Kasse oder betriebsintern in der Kantine) sind entsprechende Vorkehrungen zu treffen (z.B. Markierungen am Boden zur Einhaltung des Mindestabstand und versetzte Pausenzeiten beim Personal)
  • Arbeits- und Ladenräume sind regelmäßig zu lüften.
  • Dienstreisen und Präsenzveranstaltungen (z.B. Besprechungen) sollen auf das absolut notwendige Minimum beschränkt werden; soweit möglich, sollen hier alle digitalen Möglichkeiten (z.B. Telefon-/Videokonferenz) ausgeschöpft werden

2. Organisatorische Maßnahmen

  • Verkehrswege (z.B. Treppen, Türen, Auszüge) sind so zu gestalten, dass ein ausreichender Abstand zwischen den Personen eingehalten werden kann. Wo erfahrungsgemäß Personenansammlungen entstehen können sollen Schutzabstände durch entsprechende Vorkehrungen (z.B. Klebeband am Boden zur Einhaltung der Schutzabstände) getroffen werden.
  • Arbeitsmittel und Werkzeuge sollen nach Möglichkeit personenbezogen verwendet werden. Wo dies nicht möglich ist, sind diese regelmäßig zu reinigen und nach Möglichkeit zu desinfizieren.
  • Arbeitszeiten und Pausen sollen zur Vermeidung von Menschenansammlungen (z.B. Kantine und Aufenthaltsräume) zeitlich entzerrt werden.
  • Der Zutritt betriebsfremder Personen zu Arbeitsstätten und Betriebsgelände soll auf ein Minimum beschränkt werden. Kontaktdaten betriebsfremder Personen sowie Zeitpunkt des Betretens/Verlassens der Arbeitsstätte / des Betriebsgeländes sind möglichst zu dokumentieren. Ferner sind betriebsfremde Personen über die im Betrieb geltenden Schutzmaßnahmen zum Infektionsschutz in Kenntnis zu setzen.
  • Arbeitgeber haben betriebliche Regelungen zur raschen Aufklärung von Verdachtsfällen auf eine Corona-Infektion innerhalb des Betriebes zu treffen. Hierzu sollen im Betrieb beispielsweise auch Möglichkeiten zur kontaktlosen Fiebermessung vorgesehen werden. Beschäftige mit Symptomen, die auf eine Corona-Infektion hindeuten können, insbesondere Fieber, Husten und Atemnot, sind vom Arbeitgeber aufzufordern, das Betriebsgelände umgehend zu verlassen bzw. zu Hause zu bleiben. Bis zu medizinischen Abklärung des Verdachts ist von einer Arbeitsunfähigkeit des Beschäftigten auszugehen. Die betroffenen Personen sollten sich umgehend zunächst telefonisch zur Abklärung an einen behandelnden Arzt oder das Gesundheitsamt wenden.

3. Personenbezogene Maßnahmen

Bei unvermeidbarem Kontakt zu anderen Personen bzw. nicht einhaltbaren Schutzabständen sollte Mund-Nase-Bedeckungen sowie in besonders gefährdeten Arbeitsbereichen persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung gestellt und getragen werden.

  • Im Betrieb ist eine umfassende Kommunikation über die eingeleiteten Präventions- und Arbeitsschutzmaßnahmen sicherzustellen. Es sollten einheitliche Ansprechpartner etabliert werden. Schutzmaßnahmen sind der Belegschaft zu erklären und Hinweise verständlich (z.B. auch durch Hinweisschilder, Aushänge, Bodenmarkierungen) zu machen. Auf die Einhaltung der persönlichen und organisatorischen Hygieneregeln (Abstandsgebot, „Hust- und Niesetikette“, Handhygiene, PSA) ist hinzuweisen.
  • Die vorstehende Aufzählung stellt einen zusammenfassenden Überblick über die wichtigsten vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales formulierten Arbeitsschutzstandards dar und ist nicht abschließend. Eine ausführliche Fassung der Standards finden Sie auf der Homepage der Bundesagentur für Arbeit und Soziales unter:
    https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Schwerpunkte/sars-cov-2-arbeitsschutzstandard.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Für eine weitergehende und individuelle Beratung stehen Ihnen unsere Rechtsexperten selbstverständlich jederzeit gerne auch persönlich zur Verfügung.

Zur Übersicht